Karins Adventskalender
 

17. Dezember




Karpfen

Aquarell von Karin Rohner

Der Weihnachtskarpfen


Alljährlich im November, wenn die Fischteiche leer gefischt wurden, erhielten wir von meiner Schwägerin einen großen Karpfen. Der war zum Glück nicht mehr lebendig und schon ausgenommen. Ich brauchte ihn nur noch zu waschen und bis Weihnachten einzufrieren.
 
Diesen Karpfen gab es bei uns am 1. Weihnachtstag. An diesem Tag holten wir meine Mutter zu uns, die eine begeisterte Fischesserin war. Ich dünstete den Karpfen im Backofen in Butter, weil sie ihn so zubereitet besonders gern mochte. Dazu gab es kleine Kartoffeln, Meerrettichsahne, und eine Gemüseplatte mit Rotkohl und Erbsen und Möhrchen.

Nach dem Tode meiner Mutter erhielten wir weiterhin  unseren jährlichen Karpfen. Doch er schmeckte mir nicht mehr.
Es war wohl die Begeisterung meiner Mutter, die auch mich für ein paar Jahre zum Karpfenesser gemacht hatte. Jetzt, wo sie nicht mehr neben mir saß und unter fröhlichem Geplauder die Gräten sortierte, war mir der Appetit auf den Fisch vergangen.

Da meine Männer sich ohnehin nichts aus Karpfen  machen, haben wir ihn abbestellt und bis heute noch keinen würdigen Ersatz für ein richtig leckeres Weihnachtsmahl gefunden.



© Karin Rohner 2010
Das Huhn und der Karpfen

Auf einer Meierei
Da war einmal ein braves Huhn,
Das legte, wie die Hühner tun,
An jedem Tag ein Ei
Und kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei.
Es war ein Teich dabei,
Darin ein braver Karpfen saß
und stillvergnügt sein Futter fraß,
Der hörte das Geschrei:
Wie's kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob's ein Wunder sei.
Da sprach der Karpfen: "Ei!
Alljährlich leg' ich ´ne Million
Und rühm' mich dess' mit keinem Ton;
Wenn ich um jedes Ei
So kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte -
Was gäb's für ein Geschrei.

(Heinrich Seidel, 1842-1906) 


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Karpfen - Weihnachtsessen

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