Karins Adventskalender
 

10. Dezember



Märchen

1000 und eine Nacht-Acrylbild von Karin Rohner

Stranddornröschen



Sein Pferd scheute - und dort, ganz weit hinten, halb verborgen im Dornengestrüpp, sah er sie, seine Strandrose - und schon war's um ihn geschehen.

"Pflück mich! Bitte, pflück mich!", bettelte sie.
"Verdrehte Welt!" dachte der Prinz. Wo es doch sonst immer heißt: "Rosenpflücken verboten!"
In Erinnerung eines Dichterfürsten, der manch eine Rose zu viel brach - Dornen hin oder her - sagte er sich:
 " Tu's lieber nicht! Könnt' ja 'ne Falle sein. Am Ende sticht sie mir noch die Augen aus!"
Obwohl - das ist wieder ein anderes Märchen...

Sie auszugraben wäre auch keine Lösung. Aus dem Fernseh-
Bildungsprogramm wusste er, Strandrosen ließen sich nicht
verpflanzen. Also überhörte er ihr Flehen und die Stimme
seinens Herzens - und machte sich einfach aus dem Staube.

Vier Wochen später packte ihn ganz plötzlich die Sehnsucht. Er ritt noch einmal zum Strand zurück, um unverbindlich zu fragen:
 "Na, wie gehts?"
Doch in Folge der Dürreperiode hatte sich die Schöne aus praktischen Erwägungen verwandelt. Sie mutierte zur Stranddistel.

Der Prinz weinte und klagte:
"Hätt ich sie nur beizeiten gepflückt! Lieber ein paar lustige Tage in der Vase verbracht, als jämmerlich zum Distelgewächs verdorrt."

Nun hoffe ich, er kommt nächstes Jahr wieder vorbei und ist dann schlauer.

© Karin Rohner 2010


Die kleine Wasserfrau


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